Schulranzen viel zu schwer?

Am Mittwoch, den 9. September 2008, wurden die Ranzen der Fünftklässler vom Schulelternbeirat kritisch unter die Lupe genommen.

Kurz vor der ersten Stunde wurden am Mittwochmorgen in der Bleichstraße die Ranzen der Fünftklässler gewogen. Der Schulelternbeirat, der die Aktion zusammen mit der Schulleitung organisierte, wollte auch in diesem Jahr wieder überprüfen, wie schwer die Schulranzen der Kinder sind. Zu diesem Anlass erklärten sich fünf Eltern bereit, ab halb acht die Kinder und ihren Ranzen zu wiegen. Denn eigentlich sollte das Gewicht des Schulranzens laut der Norm DIN 58124 nur 12,5% des Körpergewichts der Kinder betragen. Nachdem insgesamt 136 Kinder gewogen wurden, stellte sich heraus, dass nur 9 von ihnen ein ihrem Körpergewicht angemessenes Ranzengewicht hatten. Das bedeutet, dass nur 6,6% der Schulranzen in der Gewichtsnorm liegen.

Herr Dr. Weber, Mitglied des Schulelternbeirates, erklärt, dass es aber Möglichkeiten gibt, das Gewicht der Schulranzen zu reduzieren. Als allererstes steht für jeden Schüler der Bleichstraße mittlerweile ein Spind zur Verfügung, sodass  Bücher und Sportsachen dort gelagert werden können, der Schulranzen so leichter wird und die Kinder entlastet werden. Das Problem hierbei ist allerdings, dass die Spinde erstens sehr teuer sind und jeden Monat Miete kosten, was sich nicht jedes Kind leisten kann. Zweitens kommt hinzu, dass die Kinder in der fünften und sechsten Klasse oft noch nicht in der Lage sind zu entscheiden, welche Materialien sie für die Hausaufgaben mit nach Hause nehmen müssen und welche Bücher in der Schule bleiben können. Auch das wechselseitige Mitbringen von Büchern funktioniert nur dann, wenn die Schüler von ihren Lehrern und Eltern entsprechende Hilfestellungen bekommen und sich aufeinander verlassen können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist außerdem der richtige Schulranzen. Wie Herr Weber auch im Schulhof den Kindern direkt erklärt, können Haltungsschäden und Rückenprobleme schon allein durch die Wahl eines richtigen Schulranzens enorm verringert werden. Dazu müssen die Ranzen die nötige Eigenstabilität aufweisen um das Gewicht des Inhalts gleichmäßig zu verteilen. Der Schulranzen muss außerdem an den Träger individuell angepasst werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, kurz BAG, hat dazu eine Broschüre herausgegeben, in der unter anderem darauf hingewiesen wird, dass auch die regelmäßige Entrümpelung des Ranzens zur Gewichtreduzierung maßgeblich beiträgt. Auch hier sind wieder die Eltern gefordert, die den Inhalt des Ranzens regelmäßig kontrollieren müssen. Wie Herr Weber erläutert, ließ sich bei der Aktion am Mittwoch kein Unterschied zwischen dem Gewicht der Schulranzen von Kindern mit Spind und solchen ohne Spind feststellen. Bleibt zu hoffen, dass bald eine realisierbare Lösung gefunden wird, denn sonst wird sich an der bestehenden Situation nicht so schnell etwas ändern, da die Schulbücher trotzdem mit in die Schule gebracht werden müssen. Aber man kann wenigstens versuchen, bessere Voraussetzungen zu schaffen, so dass zumindest das gesundheitliche Risiko auf ein Minimum reduziert wird und im nächsten Jahr vielleicht mehr Kinder ein optimales Schulranzengewicht haben werden.

Natalie Benzing (AG Öffentlichkeitsarbeit)

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