Den Gipfel in Sicht: Christian Behrens, Schüler der Jahrgangsstufe 13, steht in der vierten Runde des Auswahlverfahrens für die Internationale Physikolympiade.
Noch bis März besucht Christian Behrens die MSS13 des Gymnasiums am Römerkastell. Physik ist sein Lieblingsfach, aber dass er so gut darin ist, wusste er nicht. Noch vor einer Woche war er stolz, es zum zweiten Mal in die vierte Runde des Auswahlverfahrens für die Internationale Physikolympiade geschafft zu haben. Jetzt hat er gute Aussichten, in die fünfköpfige Nationalmannschaft aufgenommen zu werden.
Die Internationale Physikolympiade ist ein weltweiter Wettbewerb für junge Menschen bis zum 20. Lebensjahr. Vor 42 Jahren wurde er in der Sowjetunion ins Leben gerufen, um begabte Schüler im theoretischen und experimentellen Lösen physikalischer Aufgaben zu fördern. Aus anfänglich nur fünf Teilnehmerstaaten sind heute über 80 geworden. Jährlich wechselt das Gastgeberland, 2009 findet die IPhO in Mexiko statt. Eines hat sich in all den Jahren aber nicht geändert: Der Aufstieg zum Physikolymp ist lang und beschwerlich.
Die Auswahl der Nationalmannschaft beginnt in Deutschland in der Regel neun Monate vor der eigentlichen Olympiade. Die Unterlagen für die erste Runde werden an alle allgemeinbildenden Gymnasien und Gesamtschulen Deutschlands verteilt. Jeder, der 75% der möglichen Punkte erreicht, erhält daraufhin die Aufgaben der zweiten Runde. Jetzt erst beginnt das Aussieben. Die Anforderungen, die hier in Heimarbeit bewerkstelligt werden sollen, sind ohne zusätzliche Literatur nicht zu bewerkstelligen. „Der Anspruch geht weit über das Schulwissen hinaus. Man soll beweisen, dass man hartnäckig recherchiert und nicht so schnell aufgibt.“, erklärt der mittlerweile erfahrene Teilnehmer. Die 50 Besten werden zu einer Seminarwoche eingeladen. Ziel dieser dritten Runde ist, mittels Klausuren die Auswahl auf 15 zu verringern. Man will herausfinden, wer ohne Hilfsmittel gut mit Zeitdruck zurechtkommt, wer schnell seine Schwerpunkte setzt und gelassen mit Schwierigkeiten umgeht. „Gerade hier ist Erfahrung ein unschätzbarer Vorteil“, weiß er. Immer um Ostern herum findet dann die vierte und letzte Vorrunde statt. Sie ist ähnlich aufgebaut wie die dritte Runde, am Ende bleiben die fünf Nachwuchsphysiker der Nationalmannschaft übrig.
Das Gymnasium am Römerkastell gehört zu den wenigen Schulen, die sich aktiv darum bemühen, dass ihre Schüler an solchen Wettbewerben teilnehmen. Als Christian Behrens im September mit der Arbeit an der ersten Runde begann, war seine Motivation eher olympisch: „Letztes Jahr bin ich bis in die dritte Runde gekommen, wo ich sehr viel Spaß hatte. Das war auch dieses Mal mein Ziel, gleichzeitig mein größter Ansporn. Man hat nur selten die Möglichkeit, so viele Physikfreunde zu treffen.“ Dass das Abitur unmittelbar bevorstand, schränkte zwar seine Zeit dafür ein, hatte aber auch Vorteile. „Mittlerweile wusste ich deutlich mehr als im Vorjahr, ich kam viel schneller voran.“, sagt er rückblickend. Tatsächlich erreichte der 19-jährige dieses Mal mit einer deutlich besseren Platzierung die dritte Runde. In Göttingen wurde der Nachwuchsphysiker kurz nach dem schriftlichen Abitur am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf Herz und Nieren geprüft. Vier Tage lang gab es je eine dreistündige Klausur, die ohne jegliche Hilfsmittel bewerkstelligt werden musste. Bereits der erste Morgen war ernüchternd: „Nur die Hälfte der Aufgaben bearbeiten zu können, war schon deprimierend. Da habe ich alle Hoffnungen auf die vierte Runde begraben.“ Im Laufe der Woche lief es jedoch stetig besser. Als Christian sich bei der Preisverleihung auf Platz fünf fand, waren Überraschung und Freude gleichermaßen groß: „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet!“ Als Preisgeld erhält er 500€, außerdem als Sonderpreis ein einwöchiges Praktikum am DLR. Kurz nach Ostern fährt er nach Jülich, wo die vierte Auswahlrunde stattfinden wird. Natürlich hofft er, seinen Platz halten zu können – sicher ist das aber nicht. Bekanntlich ist das letzte Wegstück vorm Gipfel immer am steilsten.
Simone Mölbert (AG Öffentlichkeitsarbeit)

