Bereits zum zweiten Mal fand im September 2011 ein Schüleraustausch unserer Schule mit der St. Mary’s Ryken High-School statt. Am 18. September begann für 19 deutsche Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Jahrgangstufen die aufregende Reise nach Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Um möglichst viele Eindrücke zu gewinnen, besuchten wir erst einmal zwei Städte, deren Namen sicherlich jeder schon einmal gehört hat: Boston und New Yor. In Boston besuchten wir das riesige Aquarium und genossen die Tour auf dem Harbor-River, während der wir viel über die Geschichte Bostons erzählt bekamen. Wir gingen den Freedom Trail (Freiheitspfad) entlang, der sich durch Boston zieht, viele wichtige historische Stätten miteinander verbindet und einen Überblick über den Freiheitskampf Amerikas gibt.
Weiter ging es dann nach New York: Freiheitsstatue, Ellies Island, Times Square, ein volles Programm erwartete uns. Hier in der Stadt, die niemals schläft, eroberten wir das Metropolitan Museum of Art, in dem es für jeden etwas zu sehen gab. Auf dem Hudson River machten wir eine Tour in der Dämmerung und erhaschten dabei schon einen kurzen Blick auf die Freiheitsstatue, die wir später auch noch hautnah betrachteten. Im Central Park versuchten sich einige Mutige an American Football. Ground Zero und Chinatown wurden von uns ebenfalls besucht und trotz dieser vielen Eindrücke konnten wir in der kurzen Zeit sicherlich nur einige der vielen Möglichkeiten wahrnehmen, die New York unzweifelhaft bietet.
Nach so vielen Großstadterlebnissen freuten wir uns auf den zweiten Teil unserer Reise in den Gastfamilien. Angekommen an der Schule wurden wir von bunten Willkommensplakaten und aufgeregten Amerikanern empfangen. Den ersten Tag verbrachten wir direkt mit unseren Familien und lernten unsere Gastgeschwister und -eltern kennen. Für die meisten von uns war es eine ganz neue Erfahrung, sich in einer völlig fremden Umgebung zurecht zu finden und das auch noch in einer anderen Sprache. Ich selbst war beeindruckt, da es für mich ein neues Gefühl war, zwei Wochen in einer Familie mit acht Kindern zu verbringen. Während der Woche konnten wir jedoch leider nicht sehr viel Zeit mit dem jeweiligem Austauschpartner verbringen, da die Schule und in meinem Fall der anderthalbstündige Schulweg den ganzen Tag beanspruchten. Die Teenager haben fast keine Freizeit, da sie nicht selten bis fünf Uhr in der Schule sind und Sport machen, Musik spielen oder Theater proben. Den restlichen Tag nehmen neben der Lieblings TV-Show die Hausaufgaben ein.
Die St. Mary’s Ryken High-School erstreckt sich über einen riesigen Campus, obwohl die Privatschule nur von knapp 700 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Außerdem gibt es ein relativ neues Stadion, eine Turnhalle, eine Cafeteria und drei weitere Unterrichtsgebäude. Auch hier wird Amerika seinem Ruf gerecht: Alle Schüler können unter einer Vielzahl von AG-Angeboten wählen und so die Arbeitsgemeinschaft finden, die ihnen Spaß macht. Am ersten Montag wurde für uns eine Willkommenszeremonie gegeben und wir wurden alle herzlich mit den beiden Nationalhymnen begrüßt. Die Schule und das Schulsystem überraschten viele am meisten, denn in Amerika dürfen die High-School-Schüler – ähnlich wie bei uns in der Oberstufe – ihre Fächerschwerpunkte selbst setzen. In den Kursen sind meistens weniger Schüler als in deutschen Schulklassen und die Lehrer haben ihre eigenen Klassenräume. Da die Schüler von morgens bis nachmittags in der Schule sind, gibt es auch Lunch-Zeiten und ein großes Essensangebot. Wir hatten das Glück eine eher ungewöhnliche Woche miterleben zu dürfen: eine Motto-Woche, die sog. Spirit-Week. Jeden Tag gab es ein neues Motto und es gab keinen, der nicht mitgemacht hat. An einem Tag wurde jeder Klassenstufe eine bestimmte Farbe zugeordnet: weiße Engel, rote Teufel, grüne Kobolde und blaue Geister bevölkerten die Schule. Es war die Woche vor Homecoming, eine amerikanische Schultradition, zu der an der St. Mary’s Ryken High-School ein Footballspiel und eine Tanzveranstaltung gehören. Beim Footballspiel durften wir noch alle kräftig mit anfeuern, doch an dem Ball tanzten wir leider nicht mehr mit.
Auch in den letzten zwei Wochen haben wir einiges gelernt und viele Ausflüge gemacht. Wir sahen in Washington das Kapitol, das Washington Monument und das Weiße Haus. Außerdem besuchten wir zwei der frühen englischen Siedlungen in Amerika, wo wir viele neue Eindrücke gewinnen konnten. In Kings Dominion, dem Freizeitpark, wurden alle Achterbahnen ausprobiert, Zimtschnecken gegessen und natürlich viel gelacht! Selbst gegen Abend zeigten sich fast alle Schüler unerschrocken und mutig gegenüber Geistern, Werwölfen und Vampiren, die am Wegesrand lauerten. Wir bewunderten Annapolis, die Hauptstadt Marylands, mit der Naval Academy und St. Mary’s City mit dem College.
Am Tag des Abschiedes gab es viele Tränen und die meisten wären am liebsten in Amerika geblieben, doch alle sind dann doch wieder mit zurückgekommen. Jeder, der diesen Austausch schon einmal gemacht hat, wird ihn weiter empfehlen. Wir haben neue Freunde gefunden, sowohl in Amerika als auch in Deutschland! Wir haben gemeinsam viel gesehen und hoffen, dass diese Freundschaften noch lange halten werden. Wir haben einen Eindruck von den unbegrenzten Möglichkeiten in Amerika bekommen, sowohl in der ländlichen Gegend von Maryland als auch in den Großstädten. Vielen Dank an unsere beiden Lehrerinnen, Frau Rönsberg und Frau Wörsdörfer, die diese Fahrt so abwechslungsreich und beeindruckend für uns organisiert haben.
Pauline Hachenberg
