Das Kind und der Zauberspuk

Die Klasse 6f gestaltete bereits zum zweiten Mal sehr erfolgreich Bühnenbilder für eine Oper im Rahmen der Reihe "Konzert für junge Leute" des Staatstheaters Mainz

„Hurra! Kein Unterricht mehr! Keine Schulaufgaben! Ich bin frei, frei, böse und frei!“. Genau diese Worte, allerdings auf Französisch gesungen, konnten die Schülerinnen und Schüler im zweiten Konzert für junge Leute im Staatstheater Mainz hören in der Oper „Les enfants et les sortilèges“ von Maurice Ravel. Das Stück wurde im Rahmen des „Konzertes für junge Leute“ aufgeführt und bedeutet übersetzt soviel wie „Das Kind und der Zauberspuk“.
 
In der Handlung geht es um einen Jungen, der keine Lust auf seine Hausaufgaben hat. Nachdem er seiner Mutter vehement widerspricht und ihr die Zunge herausstreckt, folgen erzieherische Maßnahmen. Eine grenzenlose Wut packt das Kind, das seinen Zorn daraufhin in seinem Zimmer an den Schwächeren auslässt: an den Möbeln, den Haustieren und der Tapete. Als dann durch einen Zauber alle gepeinigten Gegenstände lebendig werden und auch die Haustiere sprechen können, beschweren sie sich darüber, was ihnen alles angetan wurde und klagen das Kind an. Doch plötzlich zeigt der Junge Mitgefühl und verbindet dem Eichhörnchen die gebrochene Pfote. Damit ist der Bann gebrochen.
 
Die literarische Grundlage für das Stück schrieb die französische Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette bereits 1919. Doch die Geschichte und die Stimmung dieses Schulkindes sind auch heute, fast hundert Jahre später, genauso lebensnah und reißen die jungen Zuschauer in ihren Bann. Denn wer kennt nicht eine ähnliche Situation, wenn es um das Erledigen der Hausaufgaben geht?
 
Ganz besonderes Interesse hatten vor allem unsere Schülerinnen und Schüler, die sich bereits vorher im Kunstunterricht intensiv mit dem Stück auseinandergesetzt und zu den einzelnen Szenen Bilder gestaltet hatten. Dazu gehörten Schülerinnen und Schüler des Otto Schott Gymnasiums Mainz und des Gymnasiums am Römerkastell in Alzey, deren gemalte Bilder während der Aufführung an die Rückwand der Bühne projiziert wurden und so ein hervorragendes Bühnenbild abgaben. „Ihr habt alle ganz tolle Bilder gemalt“, urteilte ein Mitglied des Streichorchesters, als er die Werke betrachtete, die ebenfalls im Foyer des Theaters aushingen.
 
Wie seit vielen Jahren organisierte Siegfried Günther auch diesen Konzertbesuch für Schüler und Eltern des Gymnasiums am Römerkastell. Für das Bühnenbildprojekt war eine 6. Klasse der Schule bereits zum zweiten Mal im Staatstheater vertreten. „Es sind viele aussagekräftige Bilder entstanden, die das eher schwer zugängliche Stück von Ravel verständlicher machen,“ sagt die Kunst- und Französischlehrerin Kathrin Schik. „Doch durch die Aufführung mit Orchester, Chor und einzelnen Sängerinnen und Sängern kommen die Bilder erst zu ihrer vollen Entfaltung.“ Und Marita fügt ergänzend hinzu: „Als wir das Stück im Unterricht nur gehört haben, hat es längst nicht so schön geklungen, wie hier bei der Aufführung.“
 
Damit man sich die Geschichte besser vorstellen kann, erklärte der Mainzer Generalmusikdirektor Herrmann Bäumer zunächst jede Szene, die die Musiker gestalten und führte wichtige Ausschnitte der Musik vor. Dazu erzählte er die Geschichte auf recht amüsante und lebendige Weise. So verstand man immer sehr gut, was das Kind, die Tiere oder die Einrichtungsgegenstände fühlten. Außerdem lernte man jeden Charakter kennen, den die Solisten und die Chöre darstellten. Das Publikum wurde auch zum Mitmachen animiert und musste während des Stückes Übungen für den fehlenden Froschchor machen, der auf der Autobahn wegen des Sturmes stecken geblieben war. Nach der Pause wurde dann das ganze Stück ohne Unterbrechung gespielt und man konnte nun leicht der Handlung folgen.
 
Bereits vor dem Auftritt stellten sich einige Musiker des Orchesters in der Klangwerkstatt zur Verfügung und ließen die Kinder die Instrumente ausprobieren. Dabei waren verschiedene Streich- und Blasinstrumente vertreten. „Das gibt uns das Gefühl, das gesamte Orchester zu kennen,“ sagt Anna-Maria begeistert und fügt ergänzend hinzu: „Der Klarinettist Ates Yilmaz hat uns vor einem halben Jahr sogar im Unterricht besucht und so war die Freude groß, den Musiker hier bei der Klangwerkstatt wiederzusehen. Wir durften sogar auf Yilmaz Klarinette spielen.“
 
Diese Oper von Ravel gibt einen schönen Einblick in die klassische Musik. Der Spannungsbogen an diesem Abend hält bis zum Schluss. Kleine und große Zuschauer sind begeistert und bringen dies am Ende mit tosendem Beifall und einem nicht enden wollenden Applaus zum Ausdruck.
 
 Anna-Maria Bess, Kathrin Schick
 
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