Figurentheater 2015

von Kathrin Schik

„Psst…da unten sind Leute“…flüstert der Rabe seinem Freund Kurt, dem Gänsehüter, warnend zu. Im nächsten Moment stehen die zwei Figuren aus der Märchenwelt den Fünftklässlern des Gymnasiums am Römerkastell gegenüber. Zum Glück handelt es sich nur um „mittelgroße Menschen“, zu denen Kurt schnell Vertrauen fasst und ihnen, teils mit schlechtem Gewissen behaftet, die spannende Geschichte seiner Kindheit am Hofe einer Königin erzählt:

Damals begleitete er zusammen mit einer Dienerin eine schöne Prinzessin, die von ihrer Mutter in ein fernes Königreich geschickt wurde, um dort einen Prinzen zu heiraten. Auf dem Weg dorthin zwang ihre böse Dienerin sie zum Rollentausch. Die echte Prinzessin musste deshalb Gänse hüten…aber Kurt, der darum wusste, griff nicht ein und wurde so zum stummen Mitläufer.

„Kürtchen“ alias Dieter Malzacher ist mit seinem Figurentheater zu Gast mit seinem Stück „Die Gänsemagd“ und entführt die jungen Zuschauer in die Zauberwelt der Puppen mit einer leicht veränderten Version des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm. Nachdem die 5. Klassen oft ins Weihnachtsmärchen nach Mainz fuhren, ist die Aufführung eines Märchens direkt in der Schule ein Erlebnis der besonderen Art: Malzachers Theater ist zum Anfassen. Es wird ein unmittelbarer Kontakt zum Schauspieler und seinen Figuren hergestellt. Nicht nur die jungen Zuschauer sind begeistert.

Von Beruf Schauspieler, Puppenspieler, Puppen- und Maskenbauer, Bühnenbildner und Autor in einer Person hat Malzacher nach einem abgeschlossenen Schauspielstudium an der Hochschule mehrere Jahre in diesem Beruf an einem Theater gearbeitet, bevor er anfing, sich seine Schauspieler selbst zu bauen. Aus Schaumstoff, Stoffresten und diversen anderen Materialien werden die einzelnen Darsteller von ihm zum Leben erweckt. Dabei werden mit einfachsten Mitteln beeindruckende Wirkungen erzielt: die kleinen Waldbotschafter bestehen nur aus einem mit einer Seidenstrumpfhose umzogenen Gummiring und werden als Statisten an den Vorhang geklammert. Ihre Flüsterpost „Die Prinzessin naht“ wird zu „Tomatensalat“ und belustigt besonders die jungen Zuschauer.

Die insgesamt 19 verschiedenen Figuren sprechen im Dialekt. „Du bist so dabbisch wie ein Lutscher babbisch“, sagt Kürtchen und sorgt damit für Erheiterung. Malzacher greift als Schauspieler auch selbst eindrucksvoll in das Geschehen ein, indem er durch eine Art Strumpfmaske mit Brille in die Rolle des Dr. Graf Butterberg schlüpft. „Die Puppen sollen wie Schauspieler spielen“. Deshalb versucht Malzacher einen Stimmwechsel ohne Atempause zu erreichen und variiert die Stimmen. „Babbaaa, ich kann nit schlaaafen!“sagt der unbeholfene Prinz, doch auch er findet am Ende mit Papas Hilfe noch zu der hübschen und wahren Prinzessin und so fügt sich schließlich alles märchenhaft zum Guten.

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