Im Rahmen des "Röka-Forums" berichtete Esther Mujawayo als Zeitzeugin interessierten Schülern und Lehrern über den Völkermord an den Tutsi in Ruanda von 1994.
Esther Mujawayo lächelt. Ihr erster Satz an die Zuhörer ist: „Ich bin froh.“ Es ist der überraschende Beginn eines sehr offenen Gesprächs über eine Zeit, die sie selbst und Millionen ihrer Mitmenschen in Ruanda für immer geprägt hat. Das Gesprächsthema in der Aula des Gymnasiums am Römerkastell ist der Genozid an den Tutsi von 1994. Im Frühjahr dieses Jahres entluden sich die Spannungen zwischen den beiden Hauptbevölkerungsgruppen Ruandas, den Hutu und den Tutsi, in einem schrecklichen Völkermord.
Zahlreiche Besucher füllten die Aula,auch der Landratsabgeordnete Heiko Sippel, Landrat Ernst Walter Görisch und der Alzeyer Bürgermeister Christoph Burkhard waren unter den Gästen.
Die Podiumsdiskussion am Abend war das Ende eines langen Tages für Esther Mujawayo, die am Vormittag schon einige Religionskurse der Oberstufe sowie der zehnten Klassen besuchte und von ihren Erlebnissen berichtete. Tanja Schäfer und Kurt Herrmann, die beide als Religionslehrer am Gymnasium am Römerkastell tätig sind, organisierten den Tag. Unterstützt wurden sie von zahlreichen Kollegen, der Schulleitung sowie dem Förderverein und dem Schulelternbeirat. Gemeinsam mit zwei Schülern der dreizehnten Jahrgangsstufe, Filipe Antunes Pereira und Sophia Papaiannou, moderierten die Lehrer das Gespräch der beiden geladenen Gäste. Michael Nieden vom Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Ruanda, machte zunächst den langen geschichtlichen Hintergrund des Massakers deutlich. Ereignisse, die bereits mit den deutschen und belgischen Kolonialisten beginnen und heute womöglich noch nicht abgeschlossen sind. Eine Million Menschen in 100 Tagen sind die überwältigenden, kaum vorstellbaren Zahlen, die zu dem Kapitel der Geschichte Ruandas gehören.
Es sollten jedoch nicht nur Ereignisse und Fakten genannt, sondern auch die Frage beantwortet werden: Wie (über)lebt man an der Seite von Mördern? „Lehrer töteten ihre Schüler, aber Schüler töteten auch ihre Lehrer. Priester töteten die Mitglieder ihrer Gemeinde. Krankenschwestern, Ärzte, alle haben es getan. Ich dachte, ich kann nie wieder einem Menschen vertrauen.“, berichtet Esther Mujawayo. Es sind schreckliche Bilder, die sie mit ihren Worten lebendig werden lässt. Und trotzdem lächelt sie. „Mein Lachen ist meine Rache.“ Und sie möchte den Gästen, vor allem den Schülern, etwas mitgeben: „Diese Morde haben ganz normale Menschen verübt, wie du und ich. Bis es soweit kommt ist es ein schleichender Prozess, und er beginnt mit dem Schweigen. Und endet mit der Masse. Es ist wichtig, sich am Anfang zu widersetzen. Bei Kleinigkeiten, wenn jemand gemobbt wird, weil er anders ist. Bei uns in Ruanda gibt es ein Sprichwort: „Wenn jemand eine Kette trägt, wissen alle anderen wie schön sie ist. Nur er selbst weiß es nicht.“ Denkt immer daran, wie schön eure Kette ist. Denkt immer daran, was ihr für ein Glück habt, dass ihr zu Schule gehen dürft, dass ihr Familie habt und Freunde. Viele halten das für selbstverständlich. Das ist es aber nicht.“
Lola Nacke (AG Öffentlichkeitsarbeit)
