Der 87-jährige Mieczysław Grochowski erzählt als Zeitzeuge u.a. im Bistum Mainz seit 2001 lebhaft und offen seine Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Vierzehn Monate lang erlebte er nach seiner Inhaftierung im Jahr 1943 Hunger, Krankheit, Angst und Schrecken im Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf–Potulitz (heute Potulice/Polen). Als jüngstes von acht Kindern wurde er gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter in Gefangenschaft gebracht, da die Familie sich weigerte, als Polen die sogenannte „Volksliste“ zu unterschreiben.
Nach dem Ende der Gefangenschaft kam er zu seiner Tante, da sein Vater im Krieg gefallen war und seine Mutter weiterhin im Lager bleiben musste. Doch auch dort erfuhr er Schikanen. Außerdem erzählte er mit großer Begeisterung vom weiteren Verlauf seines Lebens, seinem Werdegang und seiner Leidenschaft fürs Angeln.
Besonders bewundernswert war für mich Mieczysław Grochowskis herzliche Bereitschaft, seine Geschichte mit uns und der Welt zu teilen. Ebenso beantwortete er unsere Rückfragen ausführlich und freundlich, wodurch wir uns bestmöglich in ihn hineinversetzen konnten. Auch sein in jungen Jahren entdecktes Talent, Trompete zu spielen, teilte er mit uns, wodurch der Vortrag spannend und emotional geprägt war. Besonders inspirierend fand ich sein Lebensmotto, das ihm seine Mutter nach der Kriegszeit vermittelte: „Vertreibe den Hass aus deinem Herzen.“ Für mich sowie für meine Mitschülerinnen und Mitschüler wurde deutlich, dass er diesem bis heute treu geblieben ist und er dieses auch an seine Mitmenschen weitergeben möchte. Daher hat Mieczysław Grochowski in meinen Augen eine große Vorbildfunktion und ist trotz seiner tragischen Geschichte ein liebevoller und positiver Mensch, von dem noch viele Menschen lernen können.
Text: Shayenne Rolvien MSS 12
Foto: Frau Schott

