Besuch des Landtagsabgeordneten Heiko Sippel am 9. November 2015 am Römerkastell

Welche Bedeutung kommt dem 9. November in der deutschen Geschichte zu? Gute Schüler verweisen bei dieser Frage hoffentlich auf die doppelte Ausrufung der Republik 1918, den Hitlerputsch 1923, die Reichspogromnacht 1938 und den Mauerfall 1989. Angesichts dieses geschichtsträchtigen Datums besuchen jedes Jahr Abgeordnete die Schulen, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Ziel ist es, dass Geschichte nicht vergessen wird, sondern dass alle aus dem verantwortungsvollen Umgang mit ihr lernen.

Am 9. November besuchte Heiko Sippel, Alzeyer Landtagsabgeordnete der SPD, die beiden Geschichtsleistungskurse und den Sozialkundeleistungskurs der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums am Römerkastell. In der ersten und zweiten Stunde trafen die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrern, Dr. Helmut Schmahl, Peter Knopper und Michael Steuer, den Politiker in der Aula der Schule in der Bleichstraße. Inhaltlicher Mittelpunkt des Treffens bildete der Diskurs über die aktuelle Flüchtlingssituation. Heiko Sippel rief ins Gedächtnis, hinter den aktuellen Zahlen die vielen Einzelschicksale zu sehen, die Menschen dazu bewegen, den langen und mitunter sehr gefährlichen Weg nach Deutschland auf sich zu nehmen. Gemeinsam mit den Jugendlichen ging er den Gründen nach, warum so viele Flüchtlinge derzeit nach Europa kommen. Die Bürgerkriege in vielen Ländern und die damit einhergehenden menschlichen Verluste, die Zerstörung vieler Städte und Kulturstätten und die daraus resultierende Zukunftsangst treiben Menschen dazu, aus ihrem Heimatland zu fliehen. Diese Menschen müssen nun in unserer Gesellschaft menschenwürdig aufgenommen und in sie integriert werden. Dabei müssen viele praktische Probleme gelöst werden: In Rheinland-Pfalz stehen derzeit ca. 40 000 Wohnungen leer, doch müssen diese z.T. erst instand gesetzt werden, damit Flüchtlinge in ihnen untergebracht werden können. Das Wohnungsproblem ist in den Ballungsräumen größer als auf dem Land, da dort noch weniger Wohnraum zur Verfügung steht. Auf die Schülerfrage, ob diese Entwicklung nicht früher hätte erkannt werden können, räumt Sippel ein, dass man in der Politik lange Zeit das Flüchtlingsproblem unterschätzt habe. In diesem Zusammenhang lobte er das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer im Raum Alzey, die großartige Arbeit leisten. Der Politiker musste sich durchaus kritische Fragen gefallen lassen, wie sich denn in Zukunft beispielsweise Studenten bezahlbaren Wohnraum leisten können sollen, wenn viele Wohnungen durch Flüchtlinge belegt sein werden. Ein weiteres Thema des Zusammentreffens war die Montagsdemonstrationen von Pegida am Abend des gleichen Tages in Dresden. Sippel verwies in diesem Fall auf die Ängste der protestierenden Menschen, die von der Politik wahr- und n werden müssten. Dabei sei es aber wichtig, nicht vorschnell jeden Demonstranten als Nazi zu verurteilen. Lisa Stenner, Schülerin eines der beiden Geschichteleistungskurse, zeigte sich am Ende der Gesprächsrunde von der Sinnhaftigkeit der Veranstaltung überzeugt. Es sei sehr interessant gewesen, mit dem Politiker zusammenzukommen und die Chance zu haben, mit ihm über aktuelle gesellschaftliche und politischen Themen zu sprechen, so die Schülerin. So stellte das Gespräch einen gelungenen Beitrag zur politischen Bildung der Jugendlichen dar, die diese Möglichkeit interessiert aufgegriffen haben.

Christina Froesch (AG Öffentlichkeitsarbeit)

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