„Ich bin der friedliebendste Mensch der Welt. Sonst wäre ich nicht zu den Streitkräften gegangen.“, bekennt Oberstleutnant Thomas Dillschneider, als er am Donnerstag, dem 27. Oktober, in seiner Rolle als Vertreter des Natostützpunktes Ramstein im Gymnasium am Römerkastell zu Gast ist.
Die Schülerinnen und Schüler des Sozialkunde Leistungskurses der 13. Jahrgangsstufe von Herrn Steuer lauschen interessiert den Eindrücken, die Oberstleutnant Thomas Dillschneider von seiner Arbeit in der Nato-Kommandobehörde gibt.
Voller Enthusiasmus und passenderweise uniformiert beginnt er mit der Vorstellung seiner Person. Dann schraubt er sich langsam tiefer in die Materie: Es wird die Befehlsstruktur der Nato erläutert und der Kurs ist erstaunt, was alles hinter einem Nato-Einsatz wie etwa dem gegenwärtigen in Libyen steht. Dabei betont Dillschneider immer wieder die diplomatische Funktion der Nato. Die Nato sei nämlich „kein militärisches, sondern ein politisches Bündnis mit sehr starkem militärischem Arm“.
Allmählich tun sich bei dieser Aussage Fragen im Kurs auf, die Dillschneider auf befriedigende Weise zu beantworten bemüht ist. Gelegentlich jedoch stößt er hierbei an seine Grenzen: Er selbst als Oberstleutnant des Hauptquartiers Ramstein sei schließlich nur als „ausführende Kraft“ zu sehen. Er sei als Nato-Mitarbeiter in der äußerst „bequemen“ Situation, Befehle von übergeordneten Gremien, vorrangig der UNO, lediglich umsetzen zu müssen.
Wie diese Umsetzung dann im Realen aussieht, schildert Dillschneider anhand vieler Beispiele, die er mit selbst aufgenommenen Fotos aus verschiedenen Kommandozentralen Europas und den Krisengebieten belegt. So lebhaft und detailliert kann das nur jemand erläutern, der sozusagen an der Quelle sitzt. Zu lebhaft an manchen Stellen. Der Kurs nimmt im Laufe des Vortrags vermehrt Anstoß an gewagten und salopp wirkenden Formulierungen und Vergleichen Dillschneiders, die für ein solch sensibles Thema nicht angemessen scheinen. Auf den ersten Blick lässt dies auf eine begeisterte Haltung des Sprechers gegenüber Krieg schließen. Doch Dillschneider widerlegt diesen Eindruck während des Gespräches mehrmals. Seine etwas gefährliche Wortwahl wird ihm schließlich verziehen, sieht er sich doch zum ersten Mal einem Heer Halbwüchsiger entgegen.
Der Besuch des Oberstleutnants lieferte letztlich viele interessante Insiderinformationen und am Ende reichte die Zeit nicht aus, alle spannenden Fragen und Themen zu besprechen.
Christine Gerhard
