Blick hinter die Kulissen

Französischklasse der Jahrgangsstufe 6 zu Gast am Staatstheater Mainz

„Das ist einmal etwas ganz anderes!“ sagt Marius, Schüler des Gymnasiums am Römerkastell Alzey, als er durch den Bühneneingang des Staatstheaters Mainz tritt und einen Blick hinter die Kulissen wirft. Die gesamte Französischklasse folgte damit am vergangenen Freitag der Einladung von Ates Yilmaz, erster Klarinettist des Philharmonischen Staatsorchesters, den diese 6. Klasse bereits durch seinen Besuch bei ihnen im Unterricht kannten. Außerdem hatten alle Schüler schon tatkräftig an zwei Bühnenbildprojekten mitgewirkt und Bilder im Kunstunterricht gemalt, die während derJugendkonzerte auf die Bühne projiziert wurden.
Aus allererster Nähe erhalten nun die jungen Besucher einen Blick auf und hinter die Bühne des Staatstheaters Mainz. Im Untergeschoss befinden sich zum Beispiel die Requisiten und der Fundus mit seinen über 40000 Kostümen, von denen etliche bereits für die aktuellen Aufführungen auf Kleiderständern hängen, die übrigen sind nach Kleidungsart und Farbe fein sortiert in den weit in die Tiefe verlaufenden Kleiderschränken untergebracht. Diese lassen sich aufschieben,und so ist der dadurch wortwörtlich entstandene Gang ein besonderes Erlebnis, in den die Schüler hineingehen können und in den fantastischen Kostümen versinken und am liebsten gleich in eines hineinschlüpfen möchten. Damit die wertvollen Kleidungsstücke nicht dem „Zahn der Zeit“ zum Opfer fallen, wird jedes Jahr in den Ferien hinter abgedichteten Türen eine Schädlingsbekämpfung betrieben.
30 Kinder drängen sich in die Maskenwerkstatt, in der gerade einige Maskenbildnerinnen damit beschäftig sind, in mühevoller Arbeit aus einzelnen Haaren Perücken und sonstige Haarteile herzustellen. Auch dürfen die Kinder einige Masken anfassen und sogar ausprobieren, was für allgemeine Begeisterung sorgt.
Ates Yilmaz führt durch die faszinierende Welt des Theaters mitden verschiedenen Bereichen, die an der Entstehung einer erfolgreichen Theaterproduktion beteiligt sind. Vor mehreren Monitoren sitzt direkt neben der Bühne der Inspizient, der für den reibungslosen Verlauf einer Vorstellung verantwortlich ist. Eine Wärmebildkamera ermöglicht ihmsogar bei völliger Dunkelheit den Blick auf das Bühnengeschehen. Nebenan befindet sich der „Meister der Schnüre“ (Schnürbodenmeister) und bewegt an langen Schnüren (eigentlich Stahlseilen) die verschiedenen Teile des Bühnenbildes auf und ab, die an unterschiedlichen Stellen der Bühne über den Schnürboden herabgelassen werden können.
„Ihr solltet niemals im Theater pfeifen!“, verrät Yilmaz und erklärt, dass dies ein Ritual aus alten Zeiten seiund früher im Theater Gefahr bedeutete, etwa wenn eine Gaslampe defekt war und deshalb zu pfeifen begann. Als bauliche Brandschutzeinrichtung gibt es nun den Eisernen Vorhang, der sich im Falle eines Brandes zwischen Bühne und Publikum schiebt. Außerdem sind stets mehrere Feuerwehrmänner bei den Vorstellungen anwesend, die das Geschehen überwachen und ggf. sofort eingreifen können.
Nach einem kurzen Verschnaufen in dem Theaterbistroführt Yilmaz die Schüler mit seiner Klarinette direkt in den 1. Rang des Theatersaals.Von dort oben aus haben alle einen zentralen Blick auf das gesamte Orchester, von dem sie extra begrüßt werden. „Heute ist eine ganz besondere Probe, nämlich die letzte vor dem 5. Sinfoniekonzert, das am Abend gespielt werden soll“, hebt Yilmaz hervor. Die jungen Besucher lauschen gespannt der Generalprobe, bei der allerdings noch der Gesangssolist zu Mahlers„Liedern eines fahrenden Gesellen“ fehlt. Und so beeindruckt der Dirigent Patrick Lange um so mehr, als er dies scheinbar problemlos kompensieren kann, indem er nun einfach selbst singt und dabei auch noch dirigiert.
 
So lüfteten sich noch viele Geheimnisse, die sonst hinter dem Vorhang verborgen bleiben.
Kathrin Schik

 
 
 
 
 
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