Chinaexperte zu Gast

Am Freitagnachmittag, den 27.04.2012, fand am Gymnasium am Römerkastell in Alzey ein Gespräch zwischen dem Leistungskurs Sozialkunde der MSS 12 und dem Chinaexperten Dr. Jörg Meinhard Rudolph statt. Dr. Rudolph ist deutscher Sinologe und als solcher Leiter des Ostasieninstituts der Fachhochschule Ludwigshafen.

Das Gespräch diente der Vertiefung einer Unterrichtsreihe über die Menschenrechtssituation und das politische System Chinas. Zur Vorbereitung auf das Gespräch bildeten die Schüler des Kurses fünf Expertengruppen, die sich mit den Themen „Aktuelle gesellschaftliche Konflikte“, „Die Kommunistische Partei“, „Wahlen“, „China auf dem Weg zur Demokratie?“ und „China in der Weltpolitik“ intensiv auseinander gesetzt haben. Neben der Erstellung von Plakaten zu diesen Themengebieten entwickelten die Expertengruppen auch Fragen, die sie im Gespräch an Dr. Rudolph richten konnten. Nach der Vorstellung Dr. Rudolphs wurde zunächst die Situation der Wanderarbeiter in China beleuchtet, bevor die aktuelle Situation der Korruption in den Fokus gerückt wurde. Für Dr. Rudolph steht in diesem Punkt fest, dass sich die Lage in China in den letzten Jahren verschlechtert hat und die Korruption gerade in der Partei- und Staatsführung keine Seltenheit ist. „Der Fisch stinkt vom Kopf“, so sein Urteil. Die Ausführungen Dr. Rudolphs bezüglich des Themengebiets „Wahlen in China“, beinhaltete für die Zuhörer die erstaunliche Erkenntnis, dass die Wahlergebnisse der regionalen Wahlen – die die einzigen existenten Wahlen in China darstellen – kein großes Interesse in der Bevölkerung wecken. Über solche Wahlen wird in den chinesischen Medien kaum berichtet, die Auswahl der Kandidaten ist nicht frei, sondern wird zumeist von der politischen Führung vorgegeben. Deutlich wurde, dass es im „Land der Mitte“ keine freien Wahlen gibt, wie sie uns aus Deutschland bekannt sind. Die Frage, ob sich China auf dem Weg zur Demokratie sei, verneinte Dr. Rudolph entschieden. Er begründete dies mit der immer noch in der Erwartung eines „edlen Führers“ verankerten Mentalität de Chinesen, die sich in einer fast „autistischen“ Loyalität zum Staat zeige. Des Weiteren werde auch von der politischen Führung das westliche Demokratiemodell abgelehnt. Aufgrund der begrenzten Zeit und der ausführlichen Stellungnahmen zu allen Fragen, konnte das Thema „China in der Weltpolitik“ nicht mehr ausführlich thematisiert werden. Dr. Rudolph nahm sich im Anschluss an das Gespräch noch bereitwillig Zeit, verbliebene Fragen mit einzelnen Schülern zu besprechen. So konnten seine Stellungnahmen zu diesem Thema im Unterricht noch aufgegriffen werden. Rückblickend bot das Gespräch einen besonderen Einblick in die Lage Chinas, der für den Unterricht sehr bereichernd war. Jessica Hoschek (SK LK 12)

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