In den letzten Wochen und Monaten arbeiteten wir gemeinsam mit Fünftklässlern. Das bedeutet: Wenn Sie irgendwo Klebestreifen, Glitzer oder sonst irgendetwas finden, dann ist das ein ganz normaler Nebeneffekt eines Theaterprojekts mit Fünftklässlern.“
Mit diesen Worten begann am 6. Februar ein ganz besonderes Ereignis am RöKa: die Aufführung unseres Theaterstücks „Die märchenhafte Rettungsaktion“. Was an diesem Abend auf der Bühne zu sehen war, war jedoch weit mehr als nur ein Theaterstück. Es war das Ergebnis von Monaten voller Kreativität, Teamarbeit, Improvisation, Chaos – und vor allem Begeisterung.
Eine Idee wird Wirklichkeit:
Zu Beginn des Schuljahres gründeten Simon Tovar und ich ein Theaterprojekt für die fünften Klassen. Nachdem wir bereits in vergangenen Projektwochen kleinere Theaterprojekte begleitet hatten, entstand der Wunsch, etwas Größeres zu schaffen – ein richtiges Stück, mit allem, was dazugehört.
Uns war dabei besonders wichtig, dass jedes Kind die Möglichkeit bekam, Teil dieses Projekts zu werden. Ganz gleich, ob als Schauspielerin oder Schauspieler, im Bühnenbild, bei den Kostümen, in der Maske oder bei der Organisation: Jedes Kind, das Interesse hatte, durfte mitmachen.
So entstand eine Gruppe aus ca. 30 motivierten, kreativen und mutigen jungen Menschen, die bereit waren, gemeinsam etwas Einzigartiges zu erschaffen.
Simon und ich schrieben ein eigens Theaterstück: „Die märchenhafte Rettungsaktion“.
Zwischen Heißkleber, Glitzer und großen Ideen:
Die folgenden Monate waren geprägt von intensiver Vorbereitung. Es wurde gemalt, gebastelt, ausgeschnitten, umgestaltet und wieder neu erfunden.
„In den letzten Wochen waren Klebestreifen und Heißkleber wirklich unsere Rettung. Es wurde gebastelt, wie es nur ging. Am Ende entstanden Dinge, von denen keiner wusste, was sie eigentlich darstellen sollten.“
Und genau darin lag der Zauber.
Die Kinder brachten eigene Ideen ein, entwickelten Requisiten, gestalteten Kostüme und halfen dabei, eine lebendige Märchenwelt zu erschaffen. Aus einfachen Materialien entstanden ein Märchenwald, magische Gegenstände und fantasievolle Szenen.
Was am Anfang wie einzelne, zufällige Elemente wirkte, fügte sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammen.
Wir stellten den Kindern das Grundgerüst des Stückes zur Verfügung – doch sie waren es, die ihm Leben einhauchten.
Eine Märchenwelt gerät aus den Fugen:
Im Zentrum des Stückes steht die kleine Rosie (Clara Löhr), die von ihrer Mutter Giulia (Adelina Scholz) eine Gutenachtgeschichte aus einem Märchenbuch vorgelesen bekommt. Doch schon bald wird klar: In dieser Märchenwelt stimmt etwas nicht.
Alles ist durcheinander geraten!!
Rapunzel (Maya Worster) hat plötzlich kurze Haare.
Prinzessin Jasmin (Lotte Hoffmann) besitzt keinen fliegenden Teppich mehr, sondern nur noch einen Staubsauger.
Der böse Wolf (Jakob Fitting) ist Vegetarier geworden – und wird nun selbst von Rotkäppchen (Lilly Müller) gejagt.
Eine Schlosswächterin (Emily Kogel) hat überall Schokoladenbrunnen aufgestellt und die am Schloss lebenden Drachen (Lilly Rizkalla, Marianna Socci) speien nur noch Rosa Rauch.
Die Marktfrau (Elina Leonhardt) verkauft keine Äpfel mehr, sondern ausschließlich Birnen.
Prinz Charming (Miron Schöneck) hat niemanden mehr zu retten und Prinzessin Divarella (Ella Karch) hat nur noch ein Paar Schuhe…die nicht zu ihrem Kleid passen.
Und selbst im tiefsten Wald sind die Feen (Holly Stalyga, Giorgia Bagias), Elfen (Fleur Maué, Isabella Roß) und Bäume (Ikra Schäfer) von der Unruhe des Märchens betroffen.
Zwei Erzählerinnen (Julia Eberhard, Laura Stiehl) führten durch die Geschichte – wobei selbst sie zeitweise den Überblick verloren, als ihre Karteikarten plötzlich vertauscht wurden und stattdessen Apfelkuchenrezepte auftauchten.
Gemeinsam mit der gestiefelten Katze (Nora Nungässer), Lock Holmes (Oskar Lampe), sowie Mama Giulia und Rosie beginnt eine abenteuerliche Suche nach der Ursache dieses Chaos.
Am Ende stellt sich heraus, dass eine einsame, verbitterte Hexe (Anne Hach) für die Veränderungen verantwortlich ist. Doch anstatt sie zu bestrafen, begegnen ihr die Figuren mit Verständnis und Freundlichkeit. Die Hexe erkennt ihren Fehler, freundet sich mit den anderen an – und stellt die Märchenwelt wieder her.
Eine Geschichte über Freundschaft, Verständnis und die Kraft der Gemeinschaft.
Der große Tag:
Am 6. Februar war es schließlich so weit.
Am Vormittag fand die erste Aufführung für rund 120 Grundschulkinder statt. Bereits hier zeigte sich, mit welcher Konzentration, Ernsthaftigkeit und Begeisterung die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Rollen verkörperten.
Am Abend folgte die große Aufführung vor etwa 180 Zuschauerinnen und Zuschauern.
Hinter der Bühne war die Aufregung deutlich spürbar. Nervöse Blicke. Flüsternde Stimmen. Letzte Kostümkorrekturen.
Und dann begann das Stück.
Was folgte, war aus unserer Sicht vollkommen perfekt.
Die Kinder spielten ihre Rollen mit einer Souveränität, die beeindruckend war. Sie sprachen ihre Texte klar, reagierten aufeinander, improvisierten, wenn es nötig war, und trugen die Geschichte mit einer Selbstverständlichkeit, die man ihnen in diesem Alter kaum zutraut.
Innerhalb von etwa 40 Minuten entstand auf der Bühne eine lebendige, humorvolle und berührende Welt, die das Publikum mitnahm und begeisterte.
Mehr als nur ein Theaterstück:
Für Simon und mich war dieses Projekt weit mehr als eine Aufführung.
Es war eine Reise, bei der wir miterleben durften, wie Kinder über sich hinauswachsen, Verantwortung übernehmen, zusammenarbeiten und an sich selbst glauben.
Wir gaben ihnen das Stück.
Doch sie machten daraus etwas Eigenes.
Sie füllten die Rollen mit Persönlichkeit.
Sie brachten ihre eigenen Ideen ein.
Sie verwandelten Worte auf Papier in eine lebendige Geschichte.
Und genau darauf sind wir unfassbar stolz.
Nicht nur auf das Ergebnis. Sondern auf den gesamten Weg dorthin.
Auf die vielen kleinen Momente.
Auf das Chaos.
Auf das Lachen.
Auf den Glitzer, der noch immer irgendwo zu finden ist.
Und auf 30 Kinder, die bewiesen haben, was möglich ist, wenn man ihnen eine Bühne gibt.
Bilder: Lilith Untiedt
Text: Pheeby Stalyga (MSS12) Simon Tovar (MSS11)







