Eine Zauberschmiede hautnah in drei Tagen

Wir befinden uns an einem Ort, den man nach drei Tagen so schnell nicht vergisst. Eine alte Scheune inmitten von Feldern und Bäumen. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, möchte man meinen, doch die zum Teil riesigen Metallplastiken und Werke rund um das und in dem Gebäude lassen mehr erahnen. Kunst- und das aus altem Metall und vermeintlich unbrauchbaren Materialien.

Der Kunst-Leistungskurs des Jahrgangs 12 am Röka mit Schülerinnen und Schülern der beiden benachbarten Gymnasien Alzeys lässt sich mit Metallkünstler Joachim Harbut in drei Tagen auf neue Welten ein und erschafft fantasievolle und experimentelle Objekte. Nach der Einweisung des Künstlers selbst, bei der sich alle mit den Arbeitsgeräten vertraut machen, begibt man sich auf Materialsuche für die Projekte. Einige suchen in der Natur nach geeigneten Fundstücken, wieder andere begeben sich in den direkt neben der Scheune gelegenen Garten, der eine wahre Schatzkammer für jeden Schrottbegeisterten in sich birgt. Von buntem Glas über rostiges Metall bis hin zu Gebrauchsgegenständen aus mehr als hundert Jahren findet sich für alle schnell das Passende, ob einzeln oder in der Gruppe.

Bei Beginn der Arbeit werden die ersten handwerklichen Fühler ausgestreckt, vermischt mit Neugierde und anfänglichem Respekt vor dem Plasmaschneider, der sich jedoch schnell in Wohlgefallen auflöst. Joachim Harbut wendet viel Zeit und Geduld auf, erklärt und hilft mit Begeisterung. Auch er lässt sich von den Schülerideen anstecken und ist Feuer und Flamme bei den einzelnen Arbeitsschritten. Beim anschließenden gemütlichen Zusammensein unter dem nahe gelegenen Kirschbaum tauscht der Künstler mit den wissbegierigen Schülerinnen und Schülern gemeinsame Eindrücke und Anregungen aus. Bereits am Ende des ersten Tages sind sichtbare künstlerische Anfänge gemacht, zwei aus merkwürdigen Dingen montierte Sitzgelegenheiten, ein abstraktes Objekt wie eine rätselhafte Zauberkugel und eine insektenähnliche Figur aus einer anderen Welt. Der folgende Tag wird ausgiebig genutzt, um die angefangenen Arbeiten zu vollenden und auch der ein oder andere Sonnenbrand hält die Schülerinnen und Schüler nicht davon ab, Großartiges zu kreieren und viele Erfahrungen zu sammeln. Mit Handschuhen, Lederschürzen und Schutzbrillen ausgestattet, hat jeder Einzelne die Möglichkeit seine Arbeit eigenhändig zu gestalten.Während der eine Pause macht, lötet oder schweißt der andere, sodass nahezu ständig an den Objekten gearbeitet wird. Durch die freie Entfaltung eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin entstehen Werke, die völlig unbelastet von Vorgaben und Regeln sind. Gerade das macht jedes der Objekte zu einem Unikat von großem individuellen Ausdruck. Die in den drei Tagen entstandenen Kunstwerke werden im Gymnasium am Römerkastell aufgestellt und dort für jeden Schüler und jede Schülerin der Schule zu sehen sein. Kunst hautnah und für jeden zugänglich – das haben wir alle Horst Emrich zu verdanken, der als Kunstlehrer am Römerkastell diese großartige Idee ins Leben rief und das Projekt gemeinsam mit Joachim Harbut anleitete. Dass die Objekte nach den Ferien von allen im öffentlichen Raum bestaunt werden können, ist nicht zuletzt dem Förderverein des Gymnasiums am Römerkastell zu verdanken, der die Aktion unterstützt, sowie der Schulleitung, die für diese besondere Begegnung mit der Kunst den organisatorischen Rahmen möglich gemacht hat. 

Text: Lara Karkowski (AG Öffentlichkeitsarbeit), Fotos: Horst Emrich

 

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