„Fragt uns, wir sind die Letzten!“ – die MSS 12 trifft Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges in der Begegnungsstätte Kloster Jakobsberg

Treffen mit Mieczysław Grochowski

Wenn man an den zweiten Weltkrieg denkt, dann vor allem an eines: Grausamkeit. Für uns ist es nicht nur schwer vorstellbar, wie man die Situation damals wahrgenommen hat, sondern vor allem, wie man, auch als Überlebender eines Konzentrations- oder Arbeitslagers, zurück in einen „normalen“ Alltag findet. Um uns mehr mit der Geschichte auseinander zu setzen und aus der Vergangenheit zu lernen, haben wir, die Schüler der MSS 12, am 12.05. Zeitzeugen im Kloster Jakobsberg bei Ockenheim, besucht und an ihren Erfahrungen teilgenommen.

Aufgeteilt in verschiedene Gruppen, haben wir unter anderem Mieczysław Grochowski kennengelernt. 1943 wurde dieser, mit gerade einmal vier Jahren, mit seiner Familie in das Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz gebracht. Von seinen schlechten Erfahrungen bei seinem ersten Mittagessen bis hin zu seinen Erinnerungen an Weihnachten lässt er uns an allem teilhaben. Am Ende sind es aber nicht die Bedingungen im Arbeitslager, über die man in der Schule aufgeklärt wird, die uns wirklich in Erinnerung bleiben, sondern viel wichtiger: Wie Mieczysław damit umgegangen ist. Trotz den schlimmen Bildern hat er es geschafft, stets positiv zu bleiben und niemanden zu verurteilen für das, was er in seiner Kindheit durchgemacht hat. Das hat er schon in der Kindheit von seiner Mutter beigebracht bekommen und nicht nur beibehalten, sondern auch versucht, uns Schülern etwas davon mit auf den Weg zu geben.

Für uns Schüler war es eine einmalige Möglichkeit, die Erlebnisse nicht nur im Geschichtsbuch nachzulesen, sondern einen anderen Blickwinkel kennenzulernen. Vermutlich gibt es nicht mehr viele Generationen, die diese Möglichkeit haben, deshalb müssen wir die Chance nutzen, solange es noch geht.

Bericht von Helena Hummel, MSS12

 

 

 

 

 

 

 

 

Treffen mit Józefa Posch-Kotyrba

Am 12. Mai 2022 versammelten sich die Schüler:innen der MSS 12 vor der Schule. Alle waren ein wenig aufgeregt, denn an diesem Tag besuchten sie die Zeitzeugen des 2. Weltkriegs im Kloster Jakobsberg in Ockenheim.

Eine von ihnen war Józefa Posch-Kotyrba. Die Polin war erst in ihrem 5. Lebensjahr, als der Krieg ausbrach. Ihre gesamte Familie wurde von der Gestapo verhaftet, weil ihr Vater Widerstandskämpfer war. Sie erzählte auch von den Missständen, die sie in den sogenannten „Polenlagern“ aushalten musste: von der Familie getrennt, Lebensbedingungen ähnelnd eines Konzentrationslagers, schwere Arbeiten verrichten und Folter. Ihre Mutter und ihr Vater überlebten den Krieg nicht. Sie starben in Konzentrationslagern. Nach der Befreiung am 21. Januar 1945, hatten Józefa und ihre Geschwister Glück und wurden in ein Krankenhaus gebracht, wo ihre Großmutter sie abholen und zu sich nehmen konnte. Frau Posch-Kotyrba konnte ihr Abitur nachholen und absolvierte später ihr Studium, um dann Lehrerin zu werden.

Alle Schüler:innen waren von Józefa, ihrer Lebensgeschichte und ihrer Stärke begeistert und berührt. Es war eine interessante, inspirierende und einmalige Erfahrung, die allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bericht von Elin Ammann, MSS12

 

 

 

 

 

 

 

 

Treffen mit Alodia Witaszek-Napierała

Während der Exkursion zur Bildungsstätte Kloster Jakobsberg bei Ockenheim wurden die verschiedenen Geschichtskurse auf drei Zeitzeugen, die von ihren Erlebnissen mit dem Terror des NS-Regimes berichteten, aufgeteilt.

Die zwei Geschichtskurse von Frau Eckart wurden von der 1938 geborenen Alodia Witaszek-Napierała empfangen, welche schon seit über 40 Jahren solche Vorträge hält, sowohl für Schüler als auch für Erwachsene.

Alodia Witaszek-Napierała wurde in Polen geboren und fiel 1942 mit ihrer jüngeren Schwester der „Kindesverschleppung“ der Nationalsozialisten zum Opfer, nachdem ihr Vater bereits exekutiert und ihre Mutter in ein Konzentrationslager gebracht worden war. Zunächst kam Alodia ins Konzentrationslager Litzmannstadt. Alodia und ihre jüngere Schwester waren aber aufgrund ihrer „arischen Merkmale“ für die Nationalsozialisten von Wert. Beide kamen in ein Kinderheim, wo sie und andere polnische Kinder „germanisiert“ wurden. (Ihnen wurde Deutsch und das „Deutschsein“ beigebracht). Schließlich wurde Alodia von einer deutschen Familie adoptiert und von der Schwester getrennt. Nach dem Krieg kehrten Alodia und ihre Geschwister zur polnischen Mutter, die das KZ Ausschwitz überlebt hatte, zurück. Ihre polnische Mama und ihre deutsche „Mutti“ freundeten sich an.

Ihre Erlebnisse und Begegnungen schilderte Alodia Witaszek-Napierłla uns sehr interessant und ergreifend, auch mithilfe von Bildern. An manchen Stellen merkte man zudem, dass es sie wohl heute immer noch sehr belastet, da sie sehr emotional wurde.

Ihre Geschichte und die vieler weiterer polnischer Kinder hörten wir zum ersten Mal, da man im Unterricht häufig eher über andere verfolgte Gruppen aus dieser Zeit spricht.

Uns allen wurde dadurch ein weiteres Mal klar, wie grausam diese Zeit und die Nationalsozialisten waren, aber auch, wie wichtig es ist, dass sich dies nie wiederholt.

Bericht von Kilian Schwartzkopff, MSS 12

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