Die Theater- AG II des Gymnasiums am Römerkastell präsentiert auf eindringliche Weise am 1. und 2. März „Die Troerinnen“ nach Euripides.
Donnerstagabend 19.15 Uhr. Das Publikum wartet gespannt auf den Beginn des diesjährigen Stückes der Theater- AG II. Wir warten aufgeregt hinter der Bühne, dass es bald losgeht. „Noch 15 Minuten!“, ruft jemand und die Aufregung steigt weiter. Letzte Atem- und Sprechübungen werden gemacht,bevor wir schließlich hinter die Bühne gehen. Auf einmal sind wir alle ganz ruhig und konzentriert. Vergessen scheint die Hektik, die vorher noch geherrscht hatte. Fragen wie: „Wo ist mein Kostüm?“, „Was mache ich mit meinen Haaren?“ oder „Wie muss ich mich schminken?“ interessieren jetzt nicht mehr. Es zählt nur noch die Aufführung. Ein halbes Jahr vorher hatten wir uns das Stück „ Die Troerinnen“ herausgesucht, welches die Problematik des Krieges behandelt.
Das Stück beginnt nach dem Sieg der Griechen über die Trojaner durch die List des Odysseus. Die Königin Hekabe (Inga Dreier) sieht nun ihrem und dem leidvollen Schicksal ihrer Töchter Kassandra (Cassandra Thur), Polixena (Laurena Frey) und Andromache (Lara Hamzehpour) entgegen. Die Könige der Griechen Odysseus (Sinan Köylü), Agamemnon (Niklas Hübner), Menelaos (Florian Schäfer) und Neoptolemos (Julius Neugebauer) teilen nun nach dem Sieg die Beute, zu der die Frauen als wertvollster Bestandteil zählen, unter sich auf. Kassandra, die keusche Priesterin und Seherin, wird Agamemnon zugesprochen. Er will sie als zweite, geheime Ehefrau führen. Andromache wird mit Neoptolemos nach Griechenland gehen. Ein anderes Schicksal ereilt die dritte Tochter Polixena. Sie stirbt am Grabe des Achill, zu Ehren des großen Kriegers wird sie geopfert. Doch damit ist der Grausamkeit noch nicht genug getan. Astyanax, der Sohn des gefallenen Trojaners Hektors und seiner Frau Andromache, wird von der höchsten Stelle des Palastes geworfen, um somit den letzen Erben des Trojanischen Königshauses zu vernichten. Schließlich bleibt Hekabe mit den geschändeten Frauen der Stadt zurück. Sie ist Odysseus zugesprochen worden. Das Stück behandelt allerdings nicht nur das Schicksal der Frauen aus königlichem Geschlecht. Das Leid der Frauen Trojas wird eindringlich und schonungslos beschrieben. Auch zeigt sich, dass sich auf der Seite der Griechen Männer finden, die nicht vollkommen abgeklärt sind. So beweist der Bote Thalthybios (Lukas Longerich) menschliches Verständnis für die Lage der Frauen und bietet ihnen sogar an, sich auf die Seite der Griechen zu stellen. Das Stück endet mit der erniedrigenden Geste Odysseus. Als Demonstration seiner Macht setzt sich dieser auf den Rücken der Hekabe, um sich die brennende Stadt zu betrachten.
Als das Licht zum letzten Mal ausgeht, herrscht einen Moment lang betroffene Stille im Publikum, bis der Applaus einsetzt. Belohnt wird unser Spiel durch Standing Ovations des Publikums. Uns zeigt sich wieder einmal, dass sich alle Proben und die Probenfahrt nach Bacharach einen Monat vorher gelohnt haben. „Wir sind an diesem ernsten Stück gewachsen“, sagt unsere stolze Leiterin Susanne Reinsch später zum Publikum. Dass es „keine leichte Kost“ war, zeigt sich an den Reaktionen im Publikum. „Ich hatte teilweise einen Kloß im Hals“, berichtet die 17-jährige Schülerin Tamara Brauns nach der Aufführung. „Es war ein sehr bewegendes Stück, was ausnahmslos alle Schauspieler überzeugend dargestellt haben.“ Auch der 19-jährige Janis Spanier betont die Aktualität der Thematik: „Das Thema des Krieges und des Missbrauches der Frauen im Krieg ist zeitlos. Im Allgemeinen war das eine sehr gut gelungene Aufführung der Theater- AG“. Da die Schändung und der Missbrauch von Frauen und Kindern in Kriegsgebieten leider immer noch als bewährte Taktik der Kriegsführung gelten, haben wir unsere Spenden der Stiftung medica mondiale e.V. zukommen lassen.
Nach der Aufführung ist vor der Aufführung und nachdem nun auch die zweite Aufführung am Freitag vorbei ist, freuen wir uns schon, wenn wir in einem Jahr wieder auf der Bühne stehen werden.
Clarissa Brauns (AG Öffentlichkeitsarbeit)


