Am Dienstag, dem 14.04.2026, hatten wir, die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 unseres Gymnasiums, die besondere Gelegenheit, einen eindrucksvollen und zugleich sehr bewegenden Vortrag zu hören. Zu Gast war Dorota Nowakowska, die Tochter eines Auschwitz-Überlebenden, die gemeinsam mit ihrer Schwester das Schicksal ihres Vaters mit uns teilte.
Ihr Vater, Jacek Zieliniewicz, wurde 1926 in Polen geboren und führte zunächst ein ganz normales Leben. Er besuchte die Schule und wuchs in einer Familie auf, bis der Zweite Weltkrieg alles veränderte. Mit nur 17 Jahren wurde er im August 1943 von den Nationalsozialisten verhaftet und in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihm die Häftlingsnummer 138142 tätowiert, ein Zeichen dafür, dass ihm seine Identität genommen wurde.
Seine Tochter erzählte, dass für ihn besonders die Kälte eines der schlimmsten Dinge war. Die Häftlinge waren nur sehr dünn gekleidet und mussten trotzdem unter diesen Bedingungen arbeiten, was die Situation noch unerträglicher machte. 1944 wurde er in ein weiteres Lager verlegt, wo sich seine Situation kaum verbesserte. Durch die harte Arbeit und den ständigen Hunger verlor er extrem an Gewicht und wog zeitweise nur noch etwa 38 Kilogramm, bis er im März 1945 während eines Todesmarsches von französischen Truppen befreit wurde.
Nach dem Krieg kehrte er nach Polen zurück, gründete eine Familie und arbeitete als Ingenieur. Besonders bewegend war, dass er über viele Jahre hinweg nicht über seine Erlebnisse sprach und erst später die Kraft fand, seine Geschichte zu erzählen.
Trotz all dieser Erfahrungen entwickelte er keinen Hass, sondern setzte sich bewusst für Menschlichkeit, Toleranz und Mitgefühl ein. Besonders beeindruckend ist auch, dass seine Tochter heute seine Geschichte weitererzählt und damit dazu beiträgt, dass diese Erinnerungen nicht verloren gehen. Gerade weil Zeitzeugen immer weniger werden, ist es umso wichtiger, dass ihre Geschichten weitergetragen werden und nicht in Vergessenheit geraten.
Der Vortrag war für uns sehr emotional und eindrucksvoll, vor allem weil Jacek Zilniewicz zur Zeit seiner Verhaftung selbst noch so jung war, in einem Alter, das unserem heutigen entspricht. Das hat das Ganze noch greifbarer gemacht. Gleichzeitig wurde uns bewusst, wie wichtig es ist, sich an diese Zeit zu erinnern und daraus zu lernen, damit sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Gerade wir als junge Generation tragen die Verantwortung, aufmerksam zu sein, füreinander einzustehen und für Menschlichkeit und Respekt einzutreten.
Dieser Vortrag wird uns sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.
Text: Marie Julie Gagneur
Fotos: M. Dworaczek








