Am Mittwoch, den 23. September 2009, hörten etwa 80 interessierte Besucher den Vortrag von Prof. Dr. Neitzel, der sich mit der Frage beschäftigte, inwiefern das Fernsehen unser Geschichtsbild bestimmt.
Stühle werden herbeigetragen, um weitere Sitzreihen zu stellen. Hauptsächlich Jugendliche, aber auch Erwachsene mittleren Alters strömen durch die Flügeltür in den weitläufigen Raum. Jene Situation konnte man am vergangenen Mittwoch in der Aula der Außenstelle des Gymnasiums am Römerkastell beobachten. Anlass dafür war der Vortrag des bekannten Geschichtswissenschaftlers Prof. Dr. Sönke Neitzel von der Universität Mainz.
So richteten gegen acht Uhr abends ungefähr 80 Zuschauer ihre Augen aufmerksam auf den etwa vierzigjährigen Historiker. Inspiriert durch sein Mitwirken an ZDF-Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg hat er sich folgende Frage gestellt: Inwiefern beeinflusst das Fernsehen unser Geschichtsbild, insbesondere das von Jungendlichen?
Damit schneidet der Wissenschaftler ein brisantes Thema an. Kritiker behaupten, es würde ein verfälschtes Geschichtsbild produziert, in dem Fakten ein Fremdwort wären. Um endlich Aufklärung zu schaffen, begann Professor Neitzel in den Jahren 2007 und 2008 mit Untersuchungen zu diesem Thema. Dabei wies er Schüler und Studenten an, einen Fragebogen zu einem historischen Thema auszufüllen, daraufhin eine unveröffentlichte ZDF-Dokumentation anzuschauen und erneut einige Fragen zu beantworten. Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass entgegen der Auffassung von Kritikern Fakten vermittelt werden. So konnten vor dem Film nur 10% den Decknamen eines deutschen Angriffs nennen, danach 90%. Da nach drei Monaten die Schüler nochmals befragt wurden, konnte zudem ein Wissenserhalt nachgewiesen werden. Weiterhin wurde festgestellt, dass sich Grundauffassungen besonders bei “älteren” Menschen nicht verändern. Grund dafür ist das schon vorhandene Meinungsbild, das die Wirkung der Dokumentation abschwächt.
Abschließend bedankte sich Dr. Helmut Schmahl, Geschichtslehrer am Römerkastell, mit den Worten: "Viel zu selten kommt es in Deutschland vor, dass Professoren ihre Forschungsergebnisse nicht nur der jeweiligen Fachschaft vorstellen, sondern auch den “normalen” Bürgern."
Verena Hof (AG Öffentlichkeitsarbeit)
