Zeitzeugenbesuche der MSS 12: Gespräch mit Frau Józefa Posch-Kotyrba

Am 14.04. waren wir, die Stufe MSS 12, im Kloster Jakobsberg in Ockenheim. Dort haben wir uns in Gruppen mit verschiedenen Zeitzeugen des 2. Weltkriegs getroffen. Eine davon war die gebürtige Polin Józefa Posch-Kotyrba. Sie wurde am 17.02.1938 geboren. Als sie 5 Jahre alt war, wurde sie mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter von der Gestapo verhaftet, da sich ihr Vater im polnischen Untergrund gegen die deutsche Besatzung engagierte. Ihre Mutter starb in Auschwitz und der Vater wurde erschossen, während Józefa und ihre beiden Geschwister in ein „Polenlager“ gebracht wurden. In den nächsten Jahren wurden die Kinder mehrmals innerhalb von Polen in verschiedene Lager gebracht. Dort mussten sie verschiedene Arbeiten verrichten, zum Beispiel putzen, und bekamen nur wenig zu essen. Schließlich wurden die Geschwister am Ende des Kriegs in ein Krankenhaus gebracht und dort von ihrer Großmutter gefunden. Diese zog sie bis zu ihrem Tod auf. Józefa studierte, heiratete und arbeitete als Lehrerin in ihrer Heimatstadt. Nun engagiert sie sich ehrenamtlich in einem Verein für ehemalige Häftlinge und unterstützt auch Menschen, die unter heutigen Kriegen leiden. Teil dieses Engagement ist auch die Arbeit als Zeitzeugin.

Ich persönlich fand es sehr spannend Józefa zu treffen und ihre Geschichte zu hören. Obwohl ich sie ohne den Übersetzer nicht verstehen konnte, hat man dennoch ihre Emotionen heraushören können. Es gehört viel Mut und Fassung dazu, so offen von dem eigenen Leiden zu erzählen und das ist bewundernswert. Da ich diese Zeit oder etwas ähnliches glücklicherweise nicht miterlebt habe, ist es sehr schwer, sich diese Umstände vorzustellen. Dennoch hat mich ihre Erzählung tief getroffen. Ich bin dankbar, dass wir die Chance haben, die Geschichten von echten Zeitzeugen zu hören. Das schafft Bewusstsein für die Folgen, die Hass mit sich bringen kann.

Text: Hanna Leonhardt (MSS 12)

Fotos: Helmut Schmahl

BACK