Am Gymnasium am Römerkastell haben Leistungskurse im Fach Bildende Kunst unter der Leitung ihres Lehrers Horst Emrich in der Saison 2013/14 bereits zum dritten Mal Bühnenbilder für das Mainzer Staatstheater geschaffen. Die Ergebnisse von kreativen Schülerinnen und Schülern konnten jeweils in der Reihe der Konzerte für junge Leute von einem größeren Publikum in Mainz bewundert werden.
Ravels Kinderoper ‚L’Enfant et les Sortilèges’ war Anlass für besonders phantasievolle Entwürfe, die auch in der Presse eine erfreulich positive Resonanz gefunden haben – „…schöne, aussagekräftige Bilder…ziemlich professionell…“ schrieb beispielsweise die Mainzer Rheinzeitung über die Bilder aus Leistungskursen der Oberstufe sowohl unserer Schule als auch des Otto-Schott-Gymnasiums in Mainz-Gonsenheim.
Um auch denen, die nicht die Aufführungen im Mainzer Staatstheater genießen konnten, wenigstens einen optischen Eindruck zu verschaffen, haben wir einige der Bilder aus dem Kunst-LK des Röka ins Netz gestellt. Eine kleine Auswahl der Original-Entwürfe sind darüber hinaus auch in der aktuellen Kunstausstellung in der Galerie Passepartout im Hauptgebäude unserer Schule zu sehen und hängen dort noch bis zu den Osterferien.
Die erste der folgenden Abbildungen zeigt den Beitrag von Johannes Buß, wie er riesig über den Musikern auf die Bühne projeziert wurde. Johannes Buß versteht es gekonnt, die Einsamkeit des Jungen in seiner spindeldürren Gestalt darzustellen. Im Kontrast dazu stehen die expressiven und gewaltigen Flammen, die drohend empor züngeln.
Johannes Buß. Szene mit dem Feuer
Das Bild von Luise Meiser veranschaulicht die Szene eines verletzten Eichhörnchens, dessen Wunde von dem Jungen in der Hauptrolle der Kinderoper gepflegt und verbunden wird. Wunderschön detailreich stellt sie das Fell des Tieres mit kleinen, akkuraten Pinselstrichen dar und zaubert mit den verschiedenen erdigen Farbtönen eine liebevolle Atmosphäre.
Luise Meiser. Das verletzte Eichhörnchen wird versorgt. Detail
Evelyn Best. Detail aus nächtlicher Szene mit Katzen
Die aquarellierte Zeichnung von Lukas Goldschmidt beschreibt die Bedrängnis des verzweifelten Protagonisten durch merkwürdige Nachtgestalten. Auf einem Ausschnitt sind die fast wahnsinnigen Gesichtsausdrücke der einzelnen Schattengestalten zu erkennen. Jede Figur ist individuell und macht das Bild somit zu einem besonderen Schauplatz der liebevollen Detailgenauigkeit in der Charakterisierung aller möglichen Boshaftigkeiten.

Lukas Goldschmidt. Detail aus Nachtszene
Lukas Goldschmidt. Die Tiere bedrängen den Jungen. Gesamt
Das fantasievolle Libretto von Colette bot breit gefächerte Möglichkeiten für die jungen Künsterinnen und Künstler des Leistungskurses im Jahrgang 12, sich zeichnend und malend in die unterschiedlichsten Rollen zu versetzen. Die bildhafte Darstellung von Emotionen gelang auch Charlotte Wendland in ihrer Aquarellmalerei. Nachdem der Junge in der Oper bemerkt, was er getan hat, bedauert er seine Taten zutiefst. Der verletzte Baum erscheint in einer Farbenvielfalt, die weit über die einfachen Brauntöne hinausgehen und wirkt so in seiner gesamten Erscheinung doch mächtig und durchaus auch gutmütig. Dagegen der Junge, der zusammengekauert keineswegs mehr so selbstbewusst wie beispielsweise in dem nächsten Bild (am Schreibtisch) wirkt, er versteckt sein Gesicht und man hört ihn in dieser Position scheinbar schon schluchzen.
Charlotte Wendland. Trauernder Junge am Baum
Rune Wander zeigt den Jungen am Schreibtisch. Wütend und trotzig will er gar nichts mehr tun. Weder will er seine Hausaufgaben erledigen, noch brav Tee trinken. Seine innere Unruhe bricht aus und diesen Moment hat Rune Wander festgehalten. Die Bewegung der Farbe ist mitreißend und es entsteht bei dem Betrachter schon fast die Angst von dem auslaufenden Inhalt von Tasse und Kanne nass zu werden. Es weht ein enormer Sturm von Unwilligkeit, der auch in dem austretenden Bein des Jungen wiederzufinden ist.
Rune Wander. Der jähzornige Junge
Die bei Rune noch fliegenden Geschirr teile erwachen in der fast surreal anmutenden Gestaltung von Aida Sarhangpour zum Leben. Das Aquarell zeigt die grimmige Teetasse und die erzürnte Kanne. Ganz greifbar scheint der Henkel der Kanne aus dem Bild zu ragen und die Tasse wirkt, als ob sie ihre „Arme“ gerade provokant und aufgebracht in die Taille stützen würde, um den Jungen zu rügen. Die aquarellierte Szene stellt das erste und wehrende Erwachen der Gegenstände dar und somit den Beginn des Zaubers, welcher die Handlung der Oper von Ravel bestimmt.
Aida Sarhangpour. Das Teegeschirr wehrt sich.
Laura Krippner. Die Tapetenfiguren werden lebendig.
Dem Teegeschirr folgen auch bald die Tapetenfiguren. Schafe, Lämmer, Schäfer und junge Mädchen treten aus der Wand heraus und versammeln sich im Zimmer des Jungen. Bei näherer Betrachtung ist bei dieser Ausführung nicht nur die besondere Behutsamkeit mit den Farben und dem Licht, sondern auch die Detailbesonnenheit zu beachten. Ein Mädchen scheint noch etwas schüchtern und vorsichtig aus der Tapete das ungewöhnliche Treiben zu beobachten und ein Lamm schaut vorwitzig schon halb aus der Wand. Von Laura Krippner ist diese schöne Arbeit, die, wie die Aufnahme zeigt, bei dem Konzert in Mainz ebenfalls riesig projeziert wurde.
Luise Meiser, Lara Karkowski u. Horst Emrich
